Über mich

Eine Ode an die Magie

Illusionen sind etwas zutiefst menschliches. Als ich zum ersten Mal mit ihnen in Verbindung gekommen bin, war ich fasziniert von der Fülle computergenerierter Welten und dem Sog der Geschichten in Büchern und Filmen, von der Kunstfertigkeit der ehrlichen Lügen eines Bühnenzauberers ebenso wie von der Sehnsucht die Welt um uns herum auf einem Blatt Papier zu rekonstruieren. Doch wie viele habe auch ich erlebt wie meine Illusionen an der Wirklichkeit zerbrochen sind.

Durch die Augen eines Kindes betrachtet können Illusionen nichts Weltbewegendes sein. Sie sind Unterhaltung, vielleicht auch ein wenig Eskapismus. Ich bezweifle das. Kunst hat niemals ihren magischen Charakter verloren, auch wenn die Avant-Garde das Primat der Form über die Funktion ausgerufen hat. Im Gegenteil: Kunst, um der Kunst willen, lenkt unseren Blick ab von jenen, die gelernt haben oder das Talent besitzen mit der Kraft der Bilder zu arbeiten, die Gewalt der Worte zu nutzen. Shakespeare schrieb, dass die ganze Welt eine Bühne ist und Nietzsche, dass diese Erkenntnis vom Übermenschen genutzt werden kann, um die Welt und den Menschen nach seinem Willen zu gestalten.

Doch Magie ist ein zweischneidiges Schwert, in den Worten von George R. R. Martin sogar ein Schwert ohne Griff. Der Übermensch ist nicht gefeit davor Opfer der Drachen zu werden, die ihn erschaffen haben. Wir sehen es an der brutalen Selbstaufgabe, die der politische Islam entfesselte. Wir sehen es an den massenmedialen Taschenspielereien der Rechtspopulisten. Postfaktisch ist nicht mehr als ein ausweichender Begriff für eine Macht, die den menschlichen Geist nie verlassen hat, sondern unter dem Schleier des Rationalismus unsichtbar gemacht wurde – versteckt in Formeln und Statistiken. Nun tut eine Welt schockiert, die sich nie darum geschert hat wie Könige und Imperien, Kolonialmächte und Traditionen, Nazis und Kommunisten zustande gekommen sind, sich erhalten haben und letztendlich zugrunde gegangen sind. Fakten haben die Welt nie ergriffen, höchstens durch Wissenschaft und Politik tangiert.

Magie kennt weder gut noch böse, diese Konzepte sind aber Teil ihrer Welt. Ein Kompass, mit dem Menschen sich eine Richtung geben. Jede Maschine, jedes Instrument menschlicher Schaffenskraft gleicht mehr einer Naturgewalt, als einem Spielzeug. Entgegen aller Prognosen ist der Mensch ein zutiefst irrationales Wesen geblieben und das nutzt jenen Magiern, die von ihrer Kunst selbstsüchtig und bigott Gebrauch machen. Magie ist nicht Esoterik oder Religion, doch es ist die Kraft mit der Gurus und Propheten ihre Anhänger zu halten und zu inspirieren wissen. Es ist die Kraft, mit der Künstler ihr Publikum fesseln und Demagogen gutes wie schreckliches entzünden.

Aus dieser Perspektive heraus ist dieser Blog gedacht, denn Illusionen lassen sich nur mit Illusionen bekämpfen. Zu Nietzsches Zeiten war es der christliche Gott, der sein Ende finden sollte. Heute ist es der Kommunismus, der im Sterben liegt und der Kapitalismus, der in Erklärungsnot gerät. Was sollen die Antworten darauf sein? Mit Sicherheit nicht der Nationalismus und Konservatismus, den sich die sozialen Bewegungen unserer Zeit auf die Fahnen schreiben. Eine neue Recht kann der Welt nur schaden und nicht nützen. Es gilt deren Illusionen zu brechen und durch neue zu ersetzen, denn auch Trugbilder lassen sich zum Wohle aller einsetzen, wenn man sich bewusst macht dass sie Illusion sind und nicht Realität. Man kann nie mehr erwirken als Richtlinien, die diskutiert und manchmal umgeworfen werden müssen. Die Realität ist ein Rätsel und wird immer eines bleiben. Ein Rätsel, das verzweigt ist mit der conditio humana. Kein Prophet, Wissenschaftler oder Politiker wird daran jemals etwas ändern. Sie alle können nur sagen, dass sie das Chaos unter Kontrolle zwingen, indem sie eine Ordnung hineinlesen. Daher sollten jene, die von sich behaupten die Fackel der einen Wahrheit zu tragen, die ersten sein die angegriffen und verspottet werden. Die wahre Ordnung wird sich immer dem Verständnis des Menschen entziehen.

Dementsprechend kann man sich nur an dem entlanghangeln, was ist, um aus menschlicher Sicht darauf zu schließen, was sein darf. Man muss das blendende Licht ebenso meiden wie die tiefen Schatten des Abgrunds, der zurückblickt ehe er uns verschlingt. Die Aufgabe des Mystikers ist es auf dem Seil zu tanzen, das diese Dimensionen trennt und es ist ein gefährlicher, fordernder Akt, dem sie nicht selten erliegen und dann zu Propheten, Heiligen und Ideologen werden.

Fakt ist, wir können die Herausforderungen unserer Zeit nicht durch Spaltung und Nationalismus überwinden. Dafür sind die Probleme zu groß und zu diffus: Klimawandel, Globalisierung, Terrorismus. Das Böse hat sein Gesicht verloren und gerade das schreit nach den Magiern, die ihm ein neues/altes Gesicht herbei beschwören sollen. Das 21. Jahrhundert ist ein Flaschenhals der menschlichen Evolution. Entweder werden wir zurückfallen, uns selbst auslöschen oder wir wählen eine gerechtere Vision für die Zukunft, die unseren Kindern keine Wüste hinterlässt, uns ins All bringt und die Filter des Fermi-Paradoxes Lügen straft.

Wer bin ich?

Ein Student der Sozialwissenschaften, der seit mehreren Jahren in verschiedenen Künsten aktiv ist (Fotografie, Schreiben, Zeichnen, Malen). Ich interessiere mich sehr für Politik, Gesellschaft, Geschichte, Kunst und Philosophie. Ich bin offen gegenüber einer Menge von Ideen, versuche diese in Einklang zu bringen und nebenbei ein bescheidenes Leben zu führen. Ich bin zwar noch jung, habe aber bereits einige psychische Krisen hinter mir. Doch die Kunst, vor allem das Schreiben und das Zeichnen haben mich bis jetzt noch immer aus dem Sumpf der allzu tiefen Hoffnungslosigkeit gezogen.

Warum dieser Blog?

Die aktuelle globale Entwicklung hin zur Selbsteinlullung beunruhigt mich. Der Mensch ist nach langer Friedenszeit wieder bereit sich selbst zu blenden. Diese Beunruhigung ist in die Entscheidung eingegangen diesen Blog zu erstellen und zu finanzieren. Es ist wichtiger denn je eine Stimme der Vernunft zu erheben. Da ich mich selbst jedoch nicht als jemand mit besonderen charismatischen Fähigkeiten betrachte, hoffe ich über meine Worte diejenigen zu inspirieren, die tatsächlich in der Lage sind etwas gegen die Trumps und Petrys dieser Welt zu tun. Mein Ideen in dieser Hinsicht sind stark geprägt von Sozialwissenschaftlern und Philosophen, deren Werk ich nur empfehlen kann: Ulrich Beck, Ernesto Laclau/Chantal Mouffe, Herfried Münkler, Michel Foucault, Friedrich Nietzsche, Pierre Bourdieu, Ernst E. Boesch.

Magie? Wirklich?

Mir ist klar, dass nicht viele Menschen mit dem Begriff etwas anzufangen wissen. Er gilt als überwunden. Doch meiner Meinung nach ist es ein Fehler, ihn völlig zu vergessen, weil er wie oben beschrieben auf eine elementare menschliche Eigenschaft verweist. Mit dem Wort Magie bin ich das erste Mal in Form der Theatermagie in Kontakt gekommen. Das hat mir die Augen geöffnet und gezeigt wie simpel es teilweise sein kann Sinne zu täuschen und Bilder zu erzeugen, die es nicht geben kann. Ein Teil von mir wusste bereits damals, dass die Theatralik von Erscheinung und Ablenkung zentrale Elemente der modernen massenmedialen Kultur sind – Werkzeug sowohl in Demokratien, als auch in Diktaturen. Gleichzeitig richten viele postmoderne Künstler ihre Aufmerksamkeit auf das Dilemma zwischen Sein und Schein in allen möglichen Bereichen. Das reicht von Don Quixote zu Katniss Everdeen, von Brecht zu Dürrenmatt, in „Mr. Robot“ ebenso wie in „House of Cards“, in „Bioshock“ I & III ebenso wie in der „Stanley Parable“. Doch kein Werk hat mich so sehr geprägt wie das des britischen Comic-Schreibers Alan Moore, der mein Verständnis von Magie nicht als esoterische Schwingungen oder Außerkraftsetzung von Naturgesetzen, sondern als transformativer Kraft von Bewusstsein massiv beeinflusste:

The only place Gods inarguably exist is in our minds where they are real beyond refute, in all their grandeur and monstrosity.“ (Alan Moore, „From Hell“)

LeO